Die Umbettung der Könige des Neuen Reiches

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DB 320

Die wichtigsten Mumien aus DB 320

Sequenenre Taa Kairo CG 61051.

Der König aus der 17. Dynastie ist nach historischen Quellen im Kampf gegen die Hyksos gefallen. Seine Mumie zeigt massive traumatische Einwirkungen von Hiebwaffen.

Die Mumie ist seltsam verdreht und von minderwertiger Qualität, als ob die Mumie direkt nach der Schlacht notdürftig mumifiziert worden sei.

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Königin Aahtotep I.  Kairo CG 61053.

Eine der Ehefrauen von Seqenenre Taa. Auch hier ist die Qualität der Mumifizierung nicht überragend.

Die Amme Rai. Kairo CG 61054.

Die Mumie der Dame Rai stammt aus der frühen 18. Dynastie und ist von bemerkenswerter Qualität.

Sie soll die Amme der Königin Ahmose-Nefertari gewesen sein und erhielt das Privileg unter Königen und Königinnen zu ruhen. Vermutlich ist sie mit der Königsfamilie verwandt oder entstammt dem königlichen Harem.

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Königin Ahmose-Nefertari. Kairo CG 60155.

Die Ehefrau von König Ahmose I. aus dem Beginn der 18. Dynastie.

Wie die meisten Mumien dieser Epoche ist ihre Haut durch den Sauerstoffkontakt schwarz geworden.

Da die Königin schon recht alt war, als sie verstarb, ist sie an einigen Stellen bereits Kahlköpfig geworden. Sie trug daher eingeflochtene Hair-Extension.

König Ahmose I. Kairo CH 6157.

Der erste König der 18. Dynastie, der aber aus der17. Thebanischen Dynastie stammte.

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DT57.C2_vol59_147 Thutmoside (nicht Thtu

Der thutmosidische Prinz, vormals fälschlich als Thutmosis I. gedeutet. Kairo CG 61065.

Der Mann starb mit rund 18. Jahren. Weil dies mit der etwa 12-Jähringen Herrschaft deshalb nicht zu vereinbaren, da er nur wegen der Hochzeit mit einer Tochter von Ahmose I. auf den Thron gelangt ist und die Forschung daher davon ausgeht, dass Thutmosis I. bei der Thronbesteigung bereits das Erwachsenenalter erreicht haben musste.  Zudem sind die Arme der Mumie nicht in königlicher Manier gekreuzt, sondern liegen seitlich.

Thutmosis II. Kairo CG 61066. Grabräuber haben die Mumie stark beschädigt. Maspero schätzte sein Alter bei der ersten Untersuchung 1906 auf rund 30 Jahre und könnte an einer Krankheit verstorben sein da die Haut fleckenweise schorfig und mit Narben übersät ist.

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Thutmosis III. Kairo CG 61068. Die Mumie war von den Grabräubern regelrecht in Stücke gerissen worden und von den Restauratoren der dritten Zwischenzeit mit Holzplanken zusammengebastelt. Der Kopf und alle vier Extremitäten sind abgerissen und die Füße fehlen ganz.

Die Mumie weist keinerlei Haare auf, Thutmosis III. war bei seinem Tod vollkommen kahlköpfig.

Unbekannter Mann C. Kairo CG 61067. Während Maspero an die vermutlich falsche Identifikation als Nebseni (auf dem sekundären Sarg) festhielt, hielt G. E. Smith ihn für eine Mumie der 18. Dynastie. Smith sprach sich für die frühe 18. Dynastie aus. Dies ist wegen der Ohrlöcher der Mumie aber problematisch, da erst ab der Zeit von Tutmosis IV. und Amenhotep III. das Tragen von Ohrschmuck auch bei Männern aufkam. Die Adlernase des unbekannten Mannes erinnert eher an die Ramessidenzeit.

Smith bezeichnet ihn auch als fremdländisch im Typ, zur sogenannten Armenoiden-Gruppe gehörig, aber nicht ägyptisch. Diese Klassifizierungen sind heutzutage problematisch, könnten aber darauf hinweisen, dass er ein möglicher Kandidat für Ramses I. sein könnte.

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Baqt Schädel einer jungen Frau DT57.C2_v

Unbekannte Frau aus DB 320, gefunden in einem Sarg für einen Priester namens Baqt. Kairo CG 61076.

Die junge Frau, auf ein Alter von ca. 21 Jahren geschätzt und von G. E. Smith wegen der Technik in die späte 18. Dynastie datiert, wurde 2020 forensisch rekonstruiert [56].

Morphologisch steht sie Mitgliedern der Amarnazeit nahe (Elder und Younger Lady KV 35).

Gemäss der umfangreichen Arbeit von C. Nicholas Reeves, befand sie sich zunächst mit anderen Mumien im Versteck der Königin Inhapy (WN A?) ehe sie zusammen mit den anderen Mumien im Jahr 11 von Scheschonq I. ins Versteck DB 320 verlegt wurde [6].

Gesichtsrekonstruktion der Mumie Kairo CG 61076.

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Sethos I. Kairo CG 61077.

Die Identifikation als Sethos I. erfolgte aufgrund der Inschriften auf dem sekundären Sarg und der charakteristischen Physiognomie der Ramessiden.

Ramses II. Kairo CG 61078.

Aufgrund des hohen Sterbealters von mindestens 80 Jahren und den Restaurierungsbeschriftungen ist die Identifikation von Ramses II. nie bestritten worden.

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Ramses III. Kairo CG 61083.

Die Mumie von Ramses III. ist recht gut erhalten und bekam die zweifelhafte Ehre, als Vorbild für die Horrormaske von Boris Karloff im Gruselfilm „The Mummy“ von 1932 zu dienen.

Unbekannter Mann E.  Kairo CG 61098.

Der gequälte Gesichtsausdruck der Mumie und die seltsamen Elemente der Bestattung in einem Schafsfell haben zahlreiche Spekulationen ausgelöst, ob der Mann lebendig begraben wurde oder an einer Vergiftung starb. Die Mumie ist mit großer Qualität einbalsamiert worden, weist aber keinen abdominalen Einschnitt zur Entnahme der inneren Organe auf. Zudem fehlen der Mumie die Genitalien.

G. E. Smith ordnete sie dem Neuen Reich zu, obschon die Behandlung der Leiche sich von allen anderen königlichen Mumien unterscheidet. Dennoch fand der Unbekannte Mann E seine letzte Ruhe unter den Königen und Hohepriestern.

Die genetische Studie von 2012 hat ihn als Sohn von Ramses III. identifiziert und mit Prinz Pentawer, bekannt aus der Haremsverschwörung in Verbindung gebracht [54,57].

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Unknown Man E The Most Mysterious Mummy in the World Ancient Egypt History Documentary

 

KV 35

Die wichtigsten Mumien aus KV 35

Im Sarkophag wurde eine Mumie gefunden, welche allgemein als Amenhotep II. betrachtet wird.

 

In der Vorkammer lag die Mumie in einem kleinen Boot. Die Mumie verschwand wenige Jahre nach der Entdeckung und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Es handelt sich um einen kräftig gebauten Mann mit schwarzen Haaren. Für Reeves ist es am Wahrscheinlichsten dass diese Mumie einst Sethnacht gewesen sein dürfte, da seine Präsenz in KV 35 bezeugt ist [6].

 

In der Nebenkammer Jc lagen:

Drei nackte Mumien, ohne jegliche identifizierende Angaben, von G. E. Smith zunächst als nahe Verwandte von Amenhotep II. betrachtet.

  1. Ein jugendlicher Knabe mit Seitenlocke, heute unsicher als jung verstorbener Thronprinz Thutmosis betrachtet, welcher eigentlich die Nachfolge von Amenhotep III. antreten sollte.

  2. Die Elder Lady KV 35, welche als Königin erkannt wurde und aufgrund dem Haarvergleich mit der Locke von Königin Teje im Grab von Tutanchamun und aufgrund der genetischen Studie heute allgemein als Königin Teje identifiziert ist.

  3. Die Younger Lady KV 35. Aufgrund der morphologischen Ähnlichkeiten und der genetischen Studie als Mutter von Tutanchamun identifiziert. Viele Experten halten sie für Nofretete.

  4. Ein abgerissener Arm einer Mumie, der Arm ist nicht zur Younger Lady KV 35 zugehörig, da zu groß.

 

Die Nebenkammer Jb enthielt, in Särgen:

  1. Thutmosis IV.

  2. Amenhotep III.

  3. Merenptah

  4. Sethos II.

  5. Siptah

  6. Ramses IV.

  7. Ramses V.

  8. Ramses VI.

  9. Die unbekannte Frau D, aufgrund der Physiognomie und Kraniometrie wohl aus der Familie der Ramessiden. Mumifizierungstechnisch gehört sie ans Ende der 19. Dynastie und ist daher eine Kandidatin für die Identifikation mit Königin Tausret. Sie lag in einem Sargdeckel der für Sethnacht beschriftet war [6]

 

In dem Brunnenschacht waren zudem zwei Schädel gefunden worden.

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Thutmosis IV. Kairo CG 61073.

Aufgrund des Alters des Mannes, der Machart der Mumie und den klar lesbaren Inschriften der Restaurierungsmannschaft gibt es keine begründeten Zweifel an der Identifikation als Thutmosis IV.

Amenhotep III. Kairo CG 61074.

Die Mumie von Amenhotep III. einem der berühmtesten Herrscher der 18. Dynastie ist durch Fertigkeit stark geschädigt und heute in einem beklagenswerten Zustand.

In der Studie von Hawass 2010 wurde er als Vater von KV 55 und der Younger Lady KV 35 identifiziert und ist damit der Großvater von Tutanchamun.

Dies legt eine Identifikation als Amenhotep III. nahe, was auch durch die Inschriften auf dem Sarg und die Machart der Mumie gestützt wird.

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Merenptah. Kairo CG 61079.

Merenptah starb als alter Mann und litt unter Übergewicht. Seine Aorta wies Verkalkungen auf und wurde separat in London untersucht. Leider ging dieses Gewebesample im Zweiten Weltkrieg verloren [58,59]

Sethos II.  Kairo CG 61081.

Die Identifikation als Sethos II. wurde in den 1990er Jahren in Frage gestellt [47], da die Mumie morphologische Ähnlichkeiten mit den Thutmosiden aufweisen soll. Daher wurde die Mumie als möglicher Kandidat für Thutmosis I. präsentiert. Die Nase und die Mumifizierungstechnik ist aber typisch für die Ramessidenzeit.

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Siptah. Kairo CG 61080.

Der junge König Siptah litt unter einem verkürzten Bein, dass ihn stark behindert haben muss. Etliche Forscher haben Polio vermutet [11], doch auch eine angeborene Behinderung ist möglich [60], da der Nachweis der Existenz von Polio im Neuen Reich nicht gesichert ist.  

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DT57.C2_vol59_194 Frau D (Königin Tausre

Unbekannte Frau D. Kairo CG 61082.

Mumifizierungstechnisch gehört die Frau ans Ende der 19. Dynastie und hat die charakteristische Adlernase der Ramessidenkönige. Sie ist daher sehr wahrscheinlich als Königin der 19. Dynastie anzusprechen. Die berühmte Königin Tausret, welche einige Jahre als Pharao alleine herrschte ist eine Möglichkeit, gestützt durch die Tatsache, dass die Unbekannte Frau D die einzige weibliche Mumie unter lauter Königen im Nebenraum von KV 35 lag. Sie scheint daher mehr als nur eine Königin gewesen zu sein. Die Mumie ist von herausragender Qualität.

Reeves hielt 1984 auch eine Identifikation als Königin Tiaa oder Königin Isis-Nofret für möglich, da die Mumie eine Zeitlang zusammen mit Siptah und Merenptah im KV 14 gelagert worden sein dürfte [6].

Beide Könige haben ihre originale Grabstätte mit ihrer Mutter geteilt und daher könnte es sich jeweils um die Mutter dieser Könige handeln (Tiaa, die Mutter von Siptah und Isis-Nofret die Mutter von Merenptah).

Die angewendete Mumifizierungstechnik spricht im Fall der Mumie CG 61082 aber eher für eine Mumie am Ende der 19. Dynastie und die Vermutung von Reeves, sie stamme aus KV 14 legt eine Identifikation als Königin Tausret dringend nahe, da KV 14, der vordere Teil ihr eigenes Grab darstellt.

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Ramses IV. Kairo CG 61084.

Ramses V. Kairo CG 61085.

Die auffälligen Pusteln am Körper werden oft mit Pocken in Verbindung gebracht, der genetische Nachweis steht aber bis heute aus.

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Ramses VI. Kairo CG 61086.

Die Mumie von Ramses VI. wurde von Grabräubern regelrecht zerhackt und musste von den Priestern mit einem Brett zusammengebastelt.

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Die Younger Lady aus KV 35. Kairo CG 61072.

Seit den CT-Untersuchungen steht ihre enge morphologische Verwandtschaft mit Tutanchamun fest. Diese Erkenntnisse wurden durch die genetische Untersuchung weiter untermauert, welche sie als genetische Mutter von Tutanchamun identifizierte.

Von ihr existieren bislang zwei forensische Gesichtsrekonstruktionen (2003 und 2018)

Die Rekonstruktion von 2003 ist abgebildet in: [18].

Die neue Rekonstruktion ist zu finden im Artikel: https://egyptindependent.com/photos-new-3d-reconstruction-of-queen-nefertiti-stirs-controversy/

zoom Königin Nefertiti (Nofretete) zoom.

Der Jugendliche mit der Seitenlocke aus KV 35. Kairo CG 61071.

Zunächst galt er als Verwandter von Amenhotep II. weil er in dessen Grab lag. Da KV 35 aber eine Mumiencachette mit Königen aus ganz verschiedenen Epochen ist, stellt dies nur eine Möglichkeit dar.

Es könnte sich auch um Thutmosis, den Sohn von Amenhotep III. handeln, der vorzeitig starb und so sein Bruder Amenhotep IV. Echnaton den Thron bestieg.

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Die Elder Lady aus KV 35. Kairo 610670.

Heute allgemein als genetische Großmutter von Tutanchamun anerkannt und gemeinhin als Königin Teje identifiziert. Der gebogene Arm und die Faust haben einst ein Szepter einer Königin gehalten und kennzeichnen sie sicher als Königin.

KV 55

Das kontroverse Grab aus der Amarnazeit mit einer geheimnisvollen Bestattung

Die skelettierte Mumie aus KV 55. Kairo CG 61075.

Dieses Skelett ist hochkontrovers, da die genaue Altersbestimmung einen entscheidenden Einfluss auf die Identifikation hat. Um als Echnaton identifiziert werden zu können muss KV 55 mindestens als 30 Jahre alt beim Zeitpunkt seines Todes eingestuft werden. Allerdings sind die Alterskriterien der Anthropologie aus moderner Altersentwicklung entstanden und können möglicherweise nicht 1:1 auf das Alte Ägypten übertragen werden.

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